Luigi Colani und der Jugendstil. Natur Mensch Design

Paula Modersohn-Becker Museum (Bremen)

Die nächste Ausstellung im Paula Modersohn-Becker Museum widmet sich dem Designer Luigi Colani (1928-2019). Damit steht keine Malerin und kein Künstler im Fokus, sondern ein Designer. Als einziges Vorbild ließ er für sich den französischen Jugendstil mit Hector Guimard gelten.

Vergleich mit Bernhard Hoetger

Bezugspunkte zum Paula Modersohn-Becker Museum ist vor allem der Architekt des expressionistischen Museumsgebäudes, der Bildhauer Bernhard Hoetger. Von ihm besitzen die Museen Böttcherstraße eine umfassende Sammlung an Skulpturen, Möbeln, Zeichnungen und Gemälden. Genauso wie Luigi Colani konzentrierte sich Hoetger nicht auf ein Gestaltungsfeld: Beide studierten Bildhauerei, beide waren Gestalter/Designer und beide waren vom Jugendstil begeistert. Während Bernhard Hoetger zur Blütezeit des Jugendstils um 1900 in Paris selbst Skulpturen im Jugendstil erschuf und auch später Elemente des Jugendstils in seinen Möbeln integrierte, forderte Luigi Colani ein halbes Jahrhundert später (1971) die Renaissance des Jugendstils. Er sah, genauso wie die Hauptvertreter des expressionistisch-floralen Jugendstils Hector Guimard, Henry van de Velde oder Maurice Dufrène, die Antwort auf den rasant technischen und industriellen Fortschritt in der Natur.

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Überraschende Zukunftsvisionen

Die Ausstellung präsentiert Entwürfe und Design-Objekte Colanis aus den gesamten sechs Jahrzehnten seines Schaffens und stellt sie Jugendstil-Objekten aus dem Berliner Bröhan-Museum und sammlungseigenen Orginialen von Bernhard Hoetger gegenüber. Was jedoch neben der beeindruckenden Vielfalt und Fülle an Designs von Colani in der Ausstellung überrascht, sind seine fortschrittlichen Zukunftsvisionen. Denn Colani – bei aller Provokation, die er gern praktizierte – entwarf schon 1970 ein elektronisch angetriebenes Kleinstadtauto, prophezeite 1971 in einem Manifest den Tod des klassischen Automobils und berief sich auf die Natur als seine oberste Inspirationsquelle. Aspekte wie Energieeffizienz, Aerodynamik und Benutzerfreundlichkeit standen für ihn immer im Fokus seines selbst betitelten Biodesigns und machen ihn und seine Auffassung von Design aktueller denn je.

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Bild oben: Luigi-Colani-und-Burkhard-Luebke-Plakat-Der-Colani-1973-Sammlung-POPDOM-Colani-Design-Germany-GmbH
Bild in der Mitte: Bernhard-Hoetger-Loie-Fuller-um-1901-Bronze-Sammlung-Bernhard-Hoetger-Museen-Boettcherstraße-Bremen

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