Eine Stadtführung der etwas anderen Art
Es gibt Touren in Bremen, die kann man so schnell nicht vergessen, zum Beispiel die Perspektivwechseltour, die über das Projekt der Inneren Mission, »Zeitschrift der Straße«, angeboten wird. Gemeinsam mit der Inneren Mission hat das Stiftungshaus am 23. April 2026 zu einer knapp dreistündigen Tour eingeladen. Zu »besichtigen« war der öffentliche Raum rund um den Bremer Bahnhof, d.h. der Alltag von obdach- und wohnungslosen Menschen.
Mit Orten, die kein Reiseführer erwähnt und die einen Alltag beschreiben, der meistens ignoriert und gemieden wird. Es sind Orte und Plätze, die für Obdachlose eine besondere Bedeutung haben – Notunterkunft statt Hotel, Tagesaufenthalt statt Café. Auch Fragen der Teilhabe, von Gerechtigkeit und Zusammenleben in der Stadt, von Würde und Respekt, Demütigung und Aggressionen spielten eine Rolle. Für die Guides, mit eigenen Erfahrungen in diesem Paralleluniversum, sind sie ganz entscheidend.
»Diese Stadtführung möchte über Obdachlosigkeit und soziale Hilfsangebote informieren, die Sinne für eine andere Wahrnehmung der Stadt und ihrer Menschen schärfen und zu einem Perspektivwechsel ermutigen«, so die Innere Mission. Es gab viel zu lernen über soziale Brüche, die in die Obdach- und Wohnungslosigkeit führen, überall tägliche Zumutungen, über Drogen und Alkoholismus, aber auch über die wichtigen Hilfsstrukturen in Bremen – und eigene Berührungsängste, Denkmuster und Verhaltensweisen. Vor allem dies: Es braucht einen würdevollen Umgang, mehr Offenheit und Unterstützung.
»Zeitschrift der Straße«
Das Straßenmagazin bietet Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten Einkommen, Tagesstruktur, Zugehörigkeit und Anerkennung. Mehr als 2.000 Personen haben sich bisher als Straßenverkäuferin bzw. Straßenverkäufer registrieren lassen, die Möglichkeiten selbstbestimmter Arbeit genutzt, die Unterstützung durch Streetworker und ein ehrenamtliches Vertriebsteam in Anspruch genommen und pro verkauftem Heft die Hälfte des Verkaufspreises (oft plus Trinkgeld) verdient.
Die »Zeitschrift der Straße« wurde 2010 als Medien-, Sozial- und Lernprojekt von der Hochschule Bremerhaven, der Hochschule für Künste Bremen und dem Verein für Innere Mission in Bremen gegründet und ist seither mehrfach ausgezeichnet worden.
Spenden für die »Zeitschrift der Straße«
Reportage im Weser-Kurier
»Warum eine Bremerin obdachlos wurde – und wie sie auf die Beine kam«. Die Geschichte von Elke Weinberger hat die Journalistin Karolina Benedyk in einer Reportage für den Weser-Kurier am 5. Mai 2026 nachgezeichnet.
Eindrücke von der Tour des Stiftungshauses