Fundraising ist Beziehungspflege

Im Gespräch: Malte Schumacher. Er unterstützt seit Oktober 2017 als selbstständiger Philanthropie-Berater zivilgesellschaftliche Akteure (Vereine/Initiativen) sowie soziale Investoren (Stiftungen/Spender und Spenderinnen) bei der Strategie- und Organisationsentwicklung. Er leitet am 11. Oktober die erste Fundraising-Werkstatt (Info und Anmeldung) des Stiftungshauses.

 

Wie sind Sie auf das Thema Stiftungen gestoßen?

Im Jahr 2004 suchte eine regionale Förder-Stiftung mit Sitz in Braunschweig einen Allrounder mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen. Das Förderprojekt-Management und die Kommunikations-Strategie der Stiftung galt es umzusetzen – zugleich aber waren regional-historische Kenntnisse sowie Freude an Themen wie Kultur, Sport und Wissenschaft gefragt. Da kam mir mein Studium der Wissenschafts- und Technikgeschichte in Kombination mit meiner vorherigen Tätigkeit als Kommunikations-Berater und wissenschaftlicher Autor sehr zugute. Im Jahr 2005 habe ich angefangen in jener Stiftung, und im Jahr 2007 gehörte ich bereits zum Premieren-Jahrgang der Fortbildung zum Zertifizierten Stiftungsmanager an der Deutschen Stiftungsakademie.

Welche Rolle messen Sie Stiftungen in der modernen Gesellschaft zu?

Die Themen, die Stiftungen bearbeiten, sind unendlich vielfältig und spannend. Stiftungen können Ermöglicher und Ertüchtiger sein, sie können Dinge in Bewegung setzen. Zugleich sind Stiftungen manchmal langsam, über die Maßen bürokratisch und nicht frisch genug in ihrer Denke. Am Ende aber liegt es in den Händen und Köpfen der handelnden Personen, in und mit ihren Stiftungen die Zukunft zu gestalten.

Wie kann man mehr Menschen – die Menschen auf der Sonnenseite des Lebens – dazu bewegen, sich für Stiftungen ehrenamtlich und/oder finanziell zu engagieren?

Mit Gemeinwohl-orientierten Angeboten, die diese Menschen und ihre Vorstellungen ernstnehmen. Mit weniger Bürokratie – und mit mehr Geber-Beteiligung gerade auch bei der Projekt-Konzeption. Mit Erlebnissen in den von ihnen angestoßenen oder geförderten Projekten. Zudem über direkte Begegnungen mit Menschen und Organisationen, die von ihren philanthropischen Aktivitäten profitieren.

Was versteht man unter Fundraising 4.0 bzw. welche Möglichkeiten bieten das Internet und die sozialen Medien, Mittel zu beschaffen?

Auf den ersten Blick unendlich viele. Zugleich aber ist es im digitalen Bereich unabdingbar zu messen, zu überprüfen, immer am Ball zu sein und sich beständig weiterzuentwickeln. Es ist also zu hinterfragen, was die jeweilige fundraisende Organisation hier leisten kann und will. Und wie digital-affin ihre Geber-Zielgruppen tatsächlich sind – und auf welchen Kanälen ich sie erreiche.

Wer ins Fundraising einsteigen möchte: Wie gelingt der Einstieg? Was muss der erste Schritt sein?

Es gilt zu verinnerlichen, dass Fundraising kontinuierliche und authentische Überzeugungsarbeit ist. Und dass Fundraising deshalb unmittelbar verknüpft ist mit Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit – sowie überzeugendem Storytelling. Dafür braucht es Ressourcen – das sind u.a. Zeit und Investitionen.

Was sollte man beim Fundraising tunlichst vermeiden, was ist ein no-go?

Nun, gutes Fundraising ist im Kern Beziehungs-Aufbau und Beziehungs-Pflege. Und alles, was in Beziehungen nerven kann, sollte man also vermeiden: Langeweile, Flunkern, nicht gut organisiert sein, Prasserei, Angeberei, gemeinsame Ziele aus den Augen verlieren, Unzuverlässigkeit… Die Liste ist lang.

Foto: Malte Schumacher

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